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Folge

Folge 4: Heine - Rhampsenit

In dieser Folge dreht es sich um: Sex und/oder Liebe, den Bettler als König, Vaterpflichten, Mumien und Sphinxe, Nil und Donau, eine Geschichte von Klassenkämpfen; und um die Dummheit. Ein Spitzbubenstück von Herrn Heinrich H.

Rhampsenit ist ein beraubter Pharao, der, zur “Ermittelung des Täters” seine eigene Tochter als Felddetektivin in die Bordelle der Stadt schickt, so die Vorlage Herodots. Heine aber nimmt diesen an sich schon lebendigen Stoff und strickt sich daraus mit aller Verve und Eleganz ein buntes Balladenkleid. Lebhaft bettet er in die leichte Ironie des Erzählers das Figurenpaar Prinzessin/Ausrufer. Die beiden wiederum dienen ihm nur als Reagenzglas, als Spiegelfläche für das Wesen der eigentlichen Akteure: Den Pharao und seinen Dieb. H.s Vorliebe für dialektische Spielereien schlägt sich deutlich in seinem wuchtigen, letzten großen Gedichtband “Romanzero” nieder, dessen Eröffnungsgedicht - abgesehen von ein paar Mottoversen - “Rhampsenit” ist. Eine Einladung zum Weiterlesen, die man nicht ausschlagen sollte.

 
 Heine: Rhampsenit [5:06m]: Abspielen | Im Popup abspielen | Download

Rhampsenit
(aus: Romanzero, 1851)

Als der König Rhampsenit
Eintrat in die goldne Halle
Seiner Tochter, lachte diese,
Lachten ihre Zofen alle.

Auch die Schwarzen, die Eunuchen,
Stimmten lachend ein, es lachten
Selbst die Mumien, selbst die Sphinxe,
Daß sie schier zu bersten dachten.

Die Prinzessin sprach: Ich glaubte
Schon den Schatzdieb zu erfassen,
Der hat aber einen toten
Arm in meiner Hand gelassen.

Jetzt begreif ich, wie der Schatzdieb
Dringt in deine Schatzhauskammern
Und die Schätze dir entwendet,
Trotz den Schlössern, Riegeln, Klammern.

Einen Zauberschlüssel hat er,
Der erschließet allerorten
Jede Türe, widerstehen
Können nicht die stärksten Pforten.

Ich bin keine starke Pforte
Und ich hab nicht widerstanden,
Schätzehütend diese Nacht
Kam ein Schätzlein mir abhanden.

So sprach lachend die Prinzessin
Und sie tänzelt im Gemache,
Und die Zofen und Eunuchen
Hoben wieder ihre Lache.

An demselben Tag ganz Memphis
Lachte, selbst die Krokodile
Reckten lachend ihre Häupter
Aus dem schlammig gelben Nile,

Als sie Trommelschlag vernahmen
Und sie hörten an dem Ufer
Folgendes Reskript verlesen
Von dem Kanzelei-Ausrufer:

Rhampsenit von Gottes Gnaden
König zu und in Ägypten,
Wir entbieten Gruß und Freundschaft
Unsern Vielgetreun und Liebden.

In der Nacht vom dritten zu dem
Vierten Junius des Jahres
Dreizehnhundertvierundzwanzig
Vor Christi Geburt, da war es,

Daß ein Dieb aus unserm Schatzhaus
Eine Menge von Juwelen
Uns entwendet; es gelang ihm
Uns auch später zu bestehlen.

Zur Ermittelung des Täters
Ließen schlafen wir die Tochter
Bei den Schätzen - doch auch jene
Zu bestehlen schlau vermocht er.

Um zu steuern solchem Diebstahl
Und zu gleicher Zeit dem Diebe
Unsre Sympathie zu zeigen,
Unsre Ehrfurcht, unsre Liebe,

Wollen wir ihm zur Gemahlin
Unsre einzge Tochter geben
Und ihn auch als Thronnachfolger
In den Fürstenstand erheben.

Sintemal uns die Adresse
Unsres Eidams noch zur Stunde
Unbekannt, soll dies Reskript ihm
Bringen Unsrer Gnade Kunde.

So geschehn den dritten Jenner
Dreizehnhundert zwanzig sechs
Vor Christi Geburt. - Signieret
Von Uns: Rhampsenitus Rex.

Rhampsenit hat Wort gehalten,
Nahm den Dieb zum Schwiegersohne,
Und nach seinem Tode erbte
Auch der Dieb Ägyptens Krone.

Er regierte wie die Andern,
Schützte Handel und Talente;
Wenig, heißt es, ward gestohlen
Unter seinem Regimente.

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