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Folge

Folge 6: Ostern. Holz - aus dem Phantasus & Fleming - An meinen Erlöser

Auch an Ostern wird gebondaged! - Und zum Eierfest haben wir uns was Feines ausgedacht: Weil doch die säkularisierte Welt in gottlose Hasen und fromme Lämmer zerfällt, gibt es vom politisch korrekten Lyrikpodcast für beide Lager was auf die Löffel!
Frohes Fest wünscht das Bondageprojekt …

Zunächst geht es ins Grüne.
Arno Holz, das stets übergangene lyrische Schwergewicht, deckt auf einem Frühlingsspaziergang in ostasiatischer Manier ganz nebenbei die tiefen Schluchten des Alterns auf. Das Gedicht stammt aus dem “Phantasus”, einer der vielseitigsten und vor allem elegantesten Gedichtesammlungen, die man als normal-deutschsprachig Sterblicher zu Gesicht bekommen kann.

 
 Ostern. Holz - aus dem Phantasus & Fleming - An meinen Erlöser [3:41m]: Abspielen | Im Popup abspielen | Download

aus: Phantasus(erste Fassung),1889/90

Mitten auf dem Platz,
wo die Kinder lärmen,
bleib ich stehn.

Jungens,
die sich um eine Murmel zanken,
ein kleines Mädchen, das Reifen spielt. . . .

Herr Gott, Frühling!

Und nichts, nichts hab ich gesehn!

Aus allen Büschen
brechen ja schon die Knospen!

Das zweite Gedicht wird vielen unbekannt sein; Lyrik - überhaupt die Literatur - des 17. Jahrhunderts interessieren eigentlich kaum. Die oft klappernden Reime, die Sujets, die Personenbeschreibungen usw. Vielleicht aber rührt das mangelnde Interesse nicht von der mangelnden Qualität der Literatur, sondern vielmehr von der Auswahl (wer denkt nicht an dunkle Deutschstunden, in denen mit Gryphius wie mit einer Spitzhacke auf die Kinderschädel eingedroschen wird, bis endlich das Blut “sprüzzt”!) und der Präsentation.
Fleming - sein Etikett: der “Barocklyriker” - ist vor allem glänzender Stylist und hat einen wirklich guten Groove. Außerdem ist er zu seiner Zeit außerordentlich weit herum gekommen; er reiste nach Moskau und von dort aus nach Persien. Ein Globalpoet.
Dieses Gedicht allerdings ist nicht mehr als das hilflose Hilferufen des gläubigen Menschen; obwohl das Rufen sicher von allen verstanden werden kann.

An meinen Erlöser

Erhöre meine Noth / du aller Noth Erhörer /
Hilff Helffer aller Welt / hilff mir auch / der ich mir
selb-selbst nicht helffen kan; ich suche Trost bey dir.
HERR / du hast Rath und That. Dich preisen deine Lehrer /
wie du es denn auch bist / für einen Glaubens-mehrer.
Ich bin desselben leer. Hier steh’ ich / Ich steh’ hier.
Erfülle mich mit dir und deines Geistes Zier.
Er ist es / Er dein Geist / der rechte Glaubens-mehrer.
Artzt / Ich bin kranck nach dir. Du Brunnen Israel /
dein kräfftigs Wasser löscht den Durst der matten Seel’.
Auch dein Blut / Oster-Lam / hat meine Thür erröhtet /
die zu dem Hertzen geht. Ich steiffe mich auff dich
du mein Hort / du mein Felß. Belebe / Leben / mich.
Dein Todt hat meinen Todt / Du Todes Todt / getödtet.

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