Folge 7: Rilke - Sonette an Orpheus, 1. Teil, XIX. Sonett
Ganz verschlankt und abgespeckt as hell kehrt das Bondageprojekt aus den Fastentagen wieder.
Endlich diese Woche: Rainer Maria Rilke! Und kein kapriziöses Dinggedicht haben wir uns ausgesucht, sondern eines seiner feinstgefertigten und wohl auch bekanntesten Sonette…
Nichts ist gelernt und wird nie gewußt.
Ähnlich wie dem bettlägerigen Heine, sind auch Rilkes letzte Tage auf dem Schloß im Wallis von einem bestimmt: dem Anker Poesie in einer kranken Welt. Nun kann man über die weltpolitischen Umstände und die Anteilnahme beider Dichter streiten, sicher aber festzustellen ist doch, daß Rilke wie Heine zuhauf die Poesie selbst als Emblem seiner letzten Bewegungen beschreibt; vgl. etwa Heines Atta Troll oder den Titel der Sammlung: “an Orpheus”.
Es sind einfache, trockene, gereifte Worte, die Rilke im XIX. Sonett an den mythischen Sänger richtet - und er füllt sie bis an den Rand mit dem Wesentlichen: Der reinen Wahrheit.
XIX. Sonett
aus: Die Sonette an Orpheus, Erster Teil (1922)Wandelt sich rasch auch die Welt
wie Wolkengestalten,
alles Vollendete fällt
heim zum Uralten.Über dem Wandel und Gang,
weiter und freier,
währt noch dein Vor-Gesang,
Gott mit der Leier.Nicht sind die Leiden erkannt,
nicht ist die Liebe gelernt,
und was im Tod uns entfernt,ist nicht entschleiert.
Einzig das Lied überm Land
heiligt und feiert.



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