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Folge

Folge 9: Hölderlin - Abendphantasie

Kalenderwoche Nummer 17 - Auf der Bühne des Bondageprojekts begrüßen wir zum ersten Mal: Friedrich Hölderlin, den Pseudo-Jakobiner, mit einem seiner Manifeste der Unverstandenen, hier: eines jungen Menschen kurz vor dem Eintritt in seine ökologische Nische.


Hölderlin schreibt dieses Gedicht am Ende des 18. Jahrhunderts, zehn Jahre nach der französichen Revolution, die ihn, sei es wg. ihres psychischen Einschlags, sei es wg. ihrer politischen Effekte, um einen guten Teil seines heiteren Altersfriedens bringen wird.

Das starre lyrische Gerüst der Ode läßt sie natürlich übereifrig feierlich, wir würden eher sagen: schwülstig, klingen. Doch beweist Hölderlin an einigen Stellen, wie nah er plötzlich das marmorne Gedicht einem ins Gesicht stellen kann, und ebenso wie schnell dann ein Zugang zu den Versen hergestellt wird; die doch auf den ersten Blick so altertümlich scheinen.

Wir haben versucht, das Gedicht, vielleicht auch auf Kosten seiner Wucht, vor allem verständlich zu machen. Und wir möchten nur jedem Hölderlin-Unbekannten nahelegen, so er Blut geleckt, sich schnellstens an den Text direkt zu begeben, denn die eigentliche Gewalt der Hölderlinschen Verse entwickelt sich mantragleich bei häufiger, stiller Repitition.
Allen Homies Hölderlins ist das eh ein alter Hut :)

Zuletzt möchten wir noch auf eine wunderschöne Vertonung des Gedichtes hinweisen. Der Komponist Viktor Ullman schrieb drei Hölderlin-Lieder - eines davon über die “Abendphantasie” - während er in Theresienstadt inhaftiert war, wo er auch 1944 starb. Allen Bondage-Fans empfehlen wir gerne die Aufnahme von DECCA mit dem Mezzosopran Iris Vermillion und Jonathan Adler am Flügel.

 
 Hölderlin: Abendphantasie [4:42m]: Abspielen | Im Popup abspielen | Download

Abendphantasie
Vor seiner Hütte ruhig im Schatten
Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren itzt die Schiffer zum Hafen auch,
In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts
Geschäftger Lärm; in stiller Laube
Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh und Ruh
Ist alles freudig; warum schläft denn
Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint
Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich,
Purpurne Wolken! und möge droben

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid! –
Doch, wie verscheucht von töriger Bitte, flieht
Der Zauber; dunkel wirds und einsam
Unter dem Himmel, wie immer, bin ich –

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja,
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.

Kommentare

könnt ihr mal was über Maximilian Biller machen, der ist problematisch und überzeugend zugleich - e

zauberzeug / 03 Mai 2007, 01:41 / #

das macht mich tieftraurig,soll es das?

martin bär / 14 Mai 2007, 06:36 / #

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