Stöbern

Stimmen

    • Bondageprojekt: Berlin mag weit weg sein, doch wer weiß...? Vielleicht wird...
    • Eva: Schade, dass Berlin für mich zu weit weg liegt - euch live...
    • Gerhard Wilhelm Heinrich Thomas Beck: erschütternd der Te+xt, schicksalstrunken vorgertragen, all...
    • Szymon: Bitte unbedingt weiter machen... natürlich wenn ihr Spaß d...
    • Bondageprojekt: Wieso nicht? Gärten sind ja eine dankbare Metapher - George...

Folge

Folge 10: Gryphius - Es ist alles eitel

Und noch ein Novize: Denn nach letztwöchigem lyrischen Orchester, geht es beim Bondageprojekt diesmal beschaulich zu. Zum Fesselspiel ist erstmalig eingeladen die Koryphäe für schlesische Jenseitsliebe: Andreas Gryphius! - mit einem seiner scheppernden Hits.

Der dicke Andi, wie ihn Freunde nennen durften, hatte viele literarische Talente und wird doch allzu oft auf seine prägnanten Sonette reduziert. Daß er mehr zu bieten hat, wie in seinem lustigen “Squenz” gezeigt, trotzdem er einen der wohl schrecklichsten Bürgerkriege der Weltgeschichte vor der Haustür erleben mußte, sollte jedem klar sen.

Dennoch stürzt sich auch das Bondageprojekt auf eines seiner bekanntesten Mahngedichte. Klar und eindeutig stellt er da seine Klage über die Haltlosigkeit im Vergänglichen vor.
Einfach eine schlichte Schönheit.

 
 Gryphius: Es ist alles eitel [2:34m]: Abspielen | Im Popup abspielen | Download

Es ist alles eitel
Du sihst, wohin du sihst, nur Eitelkeit auff Erden.
Was diser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wisen seyn,
Auff der ein Schäfers-Kind wird spilen mit den Herden;

Was itzund prächtig blüht, sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein,
Nichts ist, das ewig sey, kein Ertz, kein Marmorstein.
Jtzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Thaten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach! was ist alles diß, was wir vor köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wisen-Blum, die man nicht wider find’t.
Noch wil, was Ewig ist, kein einig Mensch betrachten!

Kommentare

Schade, hier gibt es ja garnichts Neues…

.net / 24 Mai 2007, 17:15 / #

Ganz erschöpft von den ersten zehn Fesselspielchen haben wir uns eine kleine Kreativpause gegönnt… aber sobald der rastlose Trevor X wieder im Lande ist, nehmen wir die nächste Staffel in Angriff.

Man darf sich schonmal auf eine schaurig-schöne Geisterbeschwörung freuen…

Bis sehr bald.

Bondageprojekt / 24 Mai 2007, 17:48 / #

[…] wurde und wo man obiges Sonett des grössten deutschen Sonettendichters des 17. Jahrhunderts auch im Podcast anhören […]

Es ist alles eitel « Turmsegler / 24 Jul 2007, 23:06 / #

Kommentar schreiben