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Folge

Folge 11: Goethe - Der Schatzgräber

Drei Wochen faule Haut sind auch für den härtesten Bondage-Fan genug: Neue Folge, neues Glück! Goethes “Schatzgräber” ist ein Faustinho, ein Beschwörer und Mehr-woller, der für sein bürgerliches Glück sogar höhere Mächte bezwingen will …


Sein Glück und Heil sieht besagter Charakter im Reichtum. Nur interessiert ihn dessen Akkumulation wenig. Wie auch, als Ausgestoßener an der Gesellschaft existierend - augenscheinlich ohne Startkapital - gibt es wenig Anreize!
Viel eher will er auf den Arbeitsspeicher eines Anderen, kurz: Schatz, zurückgreifen, um sich endlich in das Herz der bürgerlichen Ordnung zu katapultieren. Aber nicht einmal den Schatz will er selber finden. Der Ausweichler folgt Zeichen, beschwört einen Geist und meint, der Himmel müsse ihm doch bei seinem kleinen Projekt helfen. Aber weit gefehlt, bei Goethe ist der Himmel nur ein weiteres Gehege für astrale Bürger -

Es ist großartig - und wir haben und genau darein verliebt - wie Goethe seine Klage und das eigentliche Problem eines Menschen in der Bürgerordnung schildert, und dennoch die Spukgeschichte, den Hauptmotor seiner Ballade, nicht aus den Augen verliert. Viel Spaß mit Kraut und Knochenwerk!

 
 Goethe: Der Schatzgräber [4:25m]: Abspielen | Im Popup abspielen | Download

Der Schatzgräber
Arm am Beutel, krank am Herzen,
Schleppt ich meine langen Tage.
Armut ist die größte Plage,
Reichtum ist das höchste Gut!
Um zu enden meine Schmerzen,
Ging ich einen Schatz zu graben.
Meine Seele sollst du haben!
Schrieb ich hin mit eignem Blut.

Und so zog ich Kreis um Kreise,
Stellte wunderbare Flammen,
Kraut und Knochenwerk zusammen:
Die Beschwörung war vollbracht.
Und auf die gelehrte Weise
Grub ich nach dem alten Schatze
Auf dem angezeigten Platze;
Schwarz und stürmisch war die Nacht.

Und ich sah ein Licht von weitem,
Und es kam gleich einem Sterne,
Hinten aus der fernsten Ferne.
Eben als es zwölfe schlug.
Und da galt kein Vorbereiten:
Heller ward’s mit einem Male
Von dem Glanz der vollen Schale,
Die ein schöner Knabe trug.

Holde Augen sah ich blinken
Unter dichtem Blumenkranze;
In des Trankes Himmelsglanze
Trat er in den Kreis herein.
Und er hieß mich freundlich trinken,
Und ich dacht: es kann der Knabe
Mit der schönen lichten Gabe
Wahrlich nicht der Böse sein.

Trinke Mut des reinen Lebens!
Dann verstehst du die Belehrung,
Kommst, mit ängstlicher Beschwörung,
Nicht zurück an diesen Ort.
Grabe hier nicht mehr vergebens!
Tages Arbeit, abends Gäste!
Saure Wochen, frohe Feste!
Sei dein künftig Zauberwort.

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