Folge 14: Rilke - Die Irren
Rainer und die Irren - eine lange Geschichte!
Denn immer wieder faszinieren den schwachbrüstigen Schlenderer diese schrägen Gestalten samt ihrem verstörenden und vermeintlich verstörten Wesen. …
Besonders während der Paris-Aufenthalte und seiner Besuche dortiger Anstalten und Hospitäler, scheinen diese Orte der Krank- und Verrücktheiten für ihn ein inspirativer Quell gewesen zu sein. Außer den “Irren” sammeln sich noch weitere Gedichte um dieses Thema im Band der “Neuen Gedichte”; auch der “Malte” ist durchstreut mit solcherlei Beobachtungen und Erzählstücken.
Oft werden bei Rilke - wie auch im vorgestellten Gedicht - die Irren als Träger einer anderen oder höheren Einsicht gezeichnet; ein seit der Antike existenter Topos, der auch hier seine Wirkung nicht verfehlt; und dessen akademische Auswalzung einen anderen Wahlpariser, Herrn Michel Foucault, in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts weltweite Bekanntheit erlangen ließ.
Aus: Der Neuen Gedichte anderer Teil (1918)
Und sie schweigen, weil die Scheidewände
weggenommen sind aus ihrem Sinn,
und die Stunden, da man sie verstände,
heben an und gehen hin.Nächtens oft, wenn sie ans Fenster treten:
plötzlich ist es alles gut.
Ihre Hände liegen im Konkreten,
und das Herz ist hoch und könnte beten,
und die Augen schauen ausgeruhtauf den unverhofften, oftentstellten
Garten im beruhigten Geviert,
der im Widerschein der fremden Welten
weiterwächst und niemals sich verliert.



Kommentare
Sehr schön - gibt es nicht auch noch mehr Gartengedichte? Wollt ihr nicht mal George machen?
Gruß aus Mainz
Rüdi44 / 24 Jun 2007, 01:10 / #
Wieso nicht? Gärten sind ja eine dankbare Metapher - George vielleicht sogar bald - wir schießen uns gerade eh aufs 20. Jahrhundert ein!
Gruß nach Mainz
Bondageprojekt / 01 Jul 2007, 13:41 / #
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