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Folge 16: George - Wir werden heute nicht zum Garten gehen

 
 George: Wir werden heute nicht zum garten gehen [2:26m]: Abspielen | Im Popup abspielen | Download

…stellt der Dichter mahnend fest. Aber stimmt das denn: Daß wir nicht dorthin gehen werden? Und warum überhaupt? Stefan George, der wandelnde Glacéhandschuh, informiert …


Nachdem uns in einem Kommentar Rüdi44 vor ein paar Wochen den lieben George ans Herzel gelegt hat, stürzte sich unsere Textabteilung natürlich sofort in die edlen Verskränze des Rheinsohnes und wählte das vorliegende Gedicht aus. (Nicht etwa “Komm in den totgesagten Park und schau”! Wehret dem Kanon!)
Doch die so oberflächliche Ablehnung der Gartenvisite entpuppt sich als Detailbeschau desselben. Vom Heim aus geistes-spaziert sich G. in die Gleichnisse, die er in den kleinen Lebendigkeiten des Gartens entdeckt; wie immer bei ihm, ist das Abmessen einer Steinwurfweite nicht mehr und nicht weniger als eine intesive Zoombewegung in die tiefste Struktur der Natur; sei sie nun menschlich oder nicht.

Aus: Das Jahr der Seele (1897)
Wir werden heute nicht zum garten gehen ·
Denn wie uns manchmal rasch und unerklärt
Dies leichte duften oder leise wehen
Mit lang vergessner freude wieder nährt:

So bringt uns jenes mahnende gespenster
Und leiden das uns bang und müde macht.
Sieh unterm baume draussen vor dem fenster
Die vielen leichen nach der winde Schlacht!

Vom tore dessen eisen-lilien rosten
Entfliegen vögel zum verdeckten rasen
Und andre trinken frierend auf den pfosten
Vom regen aus den hohlen blumen-vasen.

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