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Folge 19: Schiller - Nänie

 
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Auch das Schöne muß sterben! - Einmal mehr geht es beim Bondageprojekt um Vergänglichkeit, den Longseller des globalen Gedankenmarktes. Denn wie schon angekündigt, hatten auch wir mit Schwund und Abschied zu kämpfen …

… und nachdem unser geschätzter Mitmacher Herr Venezian endlich seine Zelte in London aufgeschlagen hatte, konnten wir daran gehen, eine fruchtbare, aber transkanale Arbeitsweise auszuhecken. Nun nach langer Zeit das erste Ergebnis. Schillers große Elegie vom Wert des Verlustes. Zuerst zwar sperrig und mit seinen griechentümelnden Anrufen sicher nicht leicht zu verstehen - zu interpretieren im Übrigen auch nicht, Anm. des Sprechers -, zuletzt aber Balsam fürs angefressene Herz.

Und wo wir schon bei Worten in eigener Sache sind: Wir haben lange diskutiert - und deswegen bisher überhaupt solche Gedichte ausgespart - wie man assoziationsreiche, mythengespickte Gedichte präsentiert. Zur Diskussion stand, vielleicht ein eigenes Glossar anzulegen oder aus Bequemlichkeit auf die schlechtrechte Wikipedia zu verlinken oder in den jeweiligen Artikeln Einstiegserläuterungen zu präsentieren. Nun ist das erste Gedicht unterm Tag “Auf dem Olymp” raus, und entschieden ist doch nichts. Von bildungsbürgerlichem Frontaluntericht hält das Bondageprojekt nicht viel, wohl weiß es aber auch, daß man gänzlich abgeschreckt werden kann vom “stygischen Zeus” und den “Töchtern des Nereus”; insgesamt aber mögen wir die Tendenz zum Selberentdecken lieber als die im Internet so beliebte Informations-Vollversorgung. Wir bitten also, zunächst Umwege in Kauf zu nehmen. Als Starthilfe, mit dem stygischen Zeus ist der Hades selbst gemeint, den Griechen übrigens als Gott und Ort gleichermaßen denken.

Ach, und ein neues Intro gibt es auch - Lang lebe also der Abschied!

Nänie

Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,
Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.
Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,
Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.
Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,
Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.
Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,
Wann er, am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.
Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,
Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.
Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich;
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.

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