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Folge

Folge 1: Goethe - Schäfers Klagelied

Einsamer nie als in diesem Gedicht, hat je eine Berufsbezeichnung Goethes geklungen. Es sind beschauliche Schäferverse, mit denen G. hier aufwartet, und aus denen er die schwarzen Sätze eines Verlassenen schießen läßt.

Er trifft damit einen direkten Ton, den man, in seiner Vertraulichkeit, eher aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts kennt und vor allem bei Brecht und Kästner so liebt. Überhaupt sind die dramatischen Wendungen, das plötzliche Einknicken in die Herzensaussagen des Schäfers, Beispiele für Goethes Meisterschaft im Genre der Rollengedichte, ebenso wie das idyllische aber bedrohliche Setting.

Dazu kommt noch die Invertierung des üblichen Schäferverständnisses – es ist doch so, daß hier nicht der Schäfer der Fortgezogene ist, daß nicht der Schäfer der Verlassende ist und daß der Schäfer auch nicht derjenige ist, der seinen Trost in der Ferne finden kann.

 
 Goethe: Schäfers Klagelied [2:01m]: Abspielen | Im Popup abspielen | Download

Schäfers Klagelied

Da droben auf jenem Berge,
Da steh ich tausendmal,
An meinem Stabe gebogen
Und schaue hinab in das Tal.

Dann folg ich der weidenden Herde,
Mein Hündchen bewahret mir sie.
Ich bin heruntergekommen
Und weiß doch selber nicht wie.

Da stehet von schönen Blumen
Die ganze Wiese so voll.
Ich breche sie, ohne zu wissen
Wem ich sie geben soll.

Und Regen, Sturm und Gewitter
Verpaß ich unter dem Baum.
Die Türe dort bleibet verschlossen
Denn alles ist leider ein Traum.

Es stehet ein Regenbogen
Wohl über jenem Haus!
Sie aber ist weggezogen,
Und weit in das Land hinaus.

Hinaus in das Land und weiter,
Vielleicht gar über die See.
Vorüber, ihr Schafe, vorüber!
Dem Schäfer ist gar so weh.

Kommentare

Für den Anfang nicht schlecht, der Sprecher ist aber sehr jung für einen Schäfer ;)

Gelbmann / 06 Mrz 2007, 16:38 / #

könnte mein neuer lieblingspodcast werden…

lila / 17 Mrz 2007, 21:12 / #

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